Joost: Vollnarkose für Couch Potatoes
Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, Joost zu testen, weil mir eine Einladung zu dem noch weitgehend geschlossenen System zukam. Die Software ist noch beta (was sonst) und läuft derzeit nur auf Intel-Macs. Allerdings werde auch an einer PowerPC-Variante gearbeitet (und auch ein Client für Linux vorbereitet). Sonst läuft die Software natürlich noch auf Windows.
Joost ist, kurz gesagt, Fernsehen. Man wählt einen Kanal aus und wählt innerhalb des Kanals Sendungen aus. In sofern ähnelt es eher der Auswahl aus einem Digitalfernsehen-Angebot, doch kommen die Daten live aus dem Netz von entsprechenden Servern des Joost-Netzwerks.
Joost wurde von den Skype-Leuten entwickelt und basiert auf ähnlichen Ideen: die Last auf den Servern wird durch ein zugrundeliegendes P2P-Modell unterstützt, d.h. man wird mit seinem Client Teil eines Netzwerks, allerdings ohne, dass man das bemerkt (zumindest solange man wohlbehütet hinter einem NAT-Router versteckt ist).
Der Kniff bei Joost ist einerseits die einfache Auswahl von Kanälen und Inhalten. Es läuft eigentlich immer irgendein Video im Hintergrund und im Vordergrund blenden sich transparente Fensterchen ein mit den nötigen Bedienungselementen. Neben dem Grundbedienungsbedarf bietet Joost eine Reihe von sog. Widgets, die man sich zusätzlich auf den Bildschirm werfen darf. Das ganze ähnelt dann doch sehr dem Dashboard, allerdings besitzt jedes Widget einen kleinen Pin, der, wenn angeklickt, dafür sorgt, dass das Widget auch zu sehen ist, wenn man aus dem “Dashboard”-Modus herausgeht.
Die Widgets sind in der Zahl noch sehr beschränkt, aber interessant zusammengestellt: ein “News Ticker” kann Blogs via RSS beziehen und das “Instant Messaging” Widget unterstützt alle Jabber-kompatiblen IM-Accounts (also z.B. Google, GMX, Web.de etc.). Ein “Channel Chat” erlaubt das chatten mit allen Joost-Usern, die gerade den selben Kanal angewählt haben. Dazu gibt es noch simple Dinge wie eine Uhr. Kann ja auch mal hilfreich sein.
Das Business-Modell für Joost ist einfach: Joost präsentiert sich quasi als Datenpaket-basierter Nachfolger der terrestrischen Fernseh-Frequenz und will IP-basiertes Fernsehen auf die Rechner bringen. Dazu blenden sie zwischendurch Werbung ein. Das kann vom Benutzer nicht verhindert werden (wie im richtigen Fernsehen). Da das Joost-Netzwerk genau ermitteln kann, wer wie oft und wie lange welches Angebot wahrgenommen hat, kann es sehr exake Nutzungsprofile (und Nutzerprofile!) erstellen. Die Werbeeinnahmen werden dann mit den Anbietern nach irgendwelchen Schlüsseln und Prozenten geteilt. In wie weit auch die Nutzungs- oder gar Nutzerprofile geteilt werden ist derzeit noch unklar. Aber man sollte sich schon mal Gedanken darüber machen.
Fragt sich, wie interessant Joost für die potentiellen Konsumenten ist. Die Sache mit den Widgets – vor allem zum Chatten – ist pfiffig und wird sicherlich bei Leuten, die ausgeprägte Couch Potatoes sind und ihren Computer eh nur zum DivX-Glotzen und Chatten benutzen, ganz gross ankommen. Hier muss man sich dann gar nicht mehr bewegen und noch nicht mal zwischen Programmen hin- und herschalten. Hauptsache die Chipsversorgung stimmt. Vollnarkose.
Für andere mag die einfache Bedienung bestechen. Entscheidend wird aber letztlich das Programmangebot und in gewisser Weise auch der Nervfaktor der Werbung entscheiden. Dass die Truppe technisch kompetent sind haben sie mit Skype schon ausreichend unter Beweis gestellt.
Die Software für den Mac machte noch keinen vollständig ausgereiften Eindruck (ist ja auch noch beta). Die Bildwiedergabe war nicht vertikalsynchronisiert, was zu den ekligen horizontalen Blitzern bei der Wiedergabe führte. Die Widgets zuppeln auch komisch rum, wenn man sie in der Größe anpasst. Offensichtlich nutzt Joost hier noch nicht alle Möglichkeiten, die ihnen Mac OS X bietet, denn natürlich lässt sich beides mit Quartz recht problemlos abstellen. Ich denke aber, bis zum Final Release der Software wird sowas wohl noch behoben werden.
Am Ende weiß ich die Stärke von Joost nicht so recht einzuschätzen, aber ich bin mir sicher, dass es sich mit Sicherheit eine solide Fanbasis erarbeiten können wird. Für meinen gehobenen Nerdgeschmack ist hier zu viel Lock-In am Werk und die Unmöglichkeit, Inhalte lokal zu kopieren macht das Netzwerk für mich eigentlich komplett uninteressant, weil ich Videos vor allem offline konsumiere. Trotzdem ist Joost die moderne Klaviatur zum gehobenen Zapping im 21. Jahrhundert. Aber der derzeitige Content reizt mich nicht mehr als das übliche Privatfernsehen: gar nicht.

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Noch ein Dienst das gehypt wird, das aber nur die Privatsphäre aufhebt und Profile erstellt. Payback lässt grüßen!
Ich will sofort einen PPC-Client! :-/ So ein Mist… da kriegt man schon ne Einladung und dann geht nix! Was ist denn an UB so kompliziert?
Ich denke, das Hauptproblem für eine PowerPC-Version ist, die Codecs performant hinzubekommen. Auf Intel sind Video-Codecs einfach deutlich besser optimiert, das war sicherlich auch einer der (vielen) Gründe für Apple, auf Intel umzusteigen.
In dem Moment, wo sie mit den auf Intel üblichen Bitraten und Encoding-Einstellungen beim Abspielen keine grossen Probleme mehr haben werden sie sicherlich eine PowerPC-Version flugs nachwerfen. Wie lange das dauert vermag ich aber nicht zu sagen.
oh, ich wäre froh über eine einladung und falls du Sie nicht nutzen kannst…
Hört sich doch alles gut an. Wenns von den Skype Machern ist, könnte ich mir in Zukunft auch ein Joost Pro vorstellen, mit der Aufzeichnungen möglich sind.
Wie kann man denn an eine Einladung kommen?
Die Frage nach der Möglichkeit, eine Einladung zu erhalten, würde ich hier auch gerne in aller Höflichkeit stellen.
Auch mir würdest du mit einer Einladung sehr, sehr, sehr weiterhelfen und freuen würde ich mich auch noch ;-)
Hallo
wer noch eine Einladung zu Joost sucht kann mal unter http://www.joostfroum.de anmelden. Dort werden Einladungen verteilt !
Gruß
Hi,
sehr interessanter Bericht… mich würde interessieren, wie Joost aussiehst und wie es zu handhaben ist. Für eine Einladung wäre ich sehr dankbar…
Nach all dem, was ich bis jetzt über Joost gelsen / gehört habe, reizt mich das Thema allein von der technischen Umsetzung schon, zumal ich begeisterter SKYPEér bin.
Nur, es müsste mich mal jemand einladen :-)
Ich sag auch Bitte-Bitte-Bitte
hw@schroedersnetz.de