Ein iPhone in Berlin

Zum iPhone ist nun langsam wirklich alles gesagt worden. Engadget machte den Anfang mit einem Dreiteiler, Ars Technica legte einen 15-Teiler (inkl. Autopsie) nach und auch Gizomodo liess sich mit seinem 12.000 Worte Review nicht lumpen. Es gibt Das iPhone Musical und Das ganz ganz schlechte (dafür aber auch kurze) iPhone Musical. Frei erfundene Statistiken belegen, dass 87% aller Videos bei YouTube direkt oder indirekt mit dem iPhone zu tun haben. Warum also noch ein iPhone Artikel? Ganz einfach: weil ich die Gelegenheit hatte etwa eine Stunde lang mit dem iPhone herumzuspielen.
Jonathan, einigen vielleicht noch in Erinnerung durch seine unvergessliche PowerPoint-Karaoke-Perfomance auf der re:publica, Jonathan schrieb mir eine Mail, ob ich nicht Lust hätte ein iPohne mal selbst in der Hand zu halten. Er sei gerade frisch aus New York in Berlin, noch bis 14 Uhr, dann gehts weiter nach München. Also musste ich so schnell wie möglich nach Mitte, iPhone anfassen.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen Jonathan noch mal zu danken. Ich kann mir nach zwei Monaten New York wirklich was schönere vorstellen, als mit einem Typen der die ganze Zeit nur sabbernd auf mein Telefon starrt im Café zu sitzen.
I-hich ha-at-te ein iPhone in der Hand uh-und ihr ni-icht.
Hier könnte der Artikel zu Ende sein, alles andere ist eigentlich schon gesagt.
Dieses scheiß Telefon ist schon sehr, sehr sexy. Es ist definitiv hosentaschentauglich. Es ist breiter und ein wenig höher als die meisten anderen Telefone, dafür aber auch dünner. Die fast komplett schwarze Vorderseite wird umrahmt von einem Chromring – viel weiter kann man Design nicht mehr reduzieren. Eine einzige Taste auf der Vorderseite (die übrigens wirklich eine Taste und kein Sensor ist) führt jederzeit ins Menü zurück. Von Hinten dagegen fand ich das iPhone geradezu hässlich. Die Antenenabdeckung ist aus schwarzem Plastik, das Apple Logo ist irgendwie zu groß und wirkt fehlplatziert.
Die Software dagegen ist ein Traum. Dieses iPhone ist ja kein Vorführgerät, sondern im täglichen Einsatz. Da sind nicht nur ein paar U2 Songs drauf und die New York Times ist nicht die einzig eingestellte Homepage. Ich bin fest davon ausgegangen, dass da einige Dinge ruckeln würden oder eben nicht so funktionieren wie auf der Apple Homepage präsentiert. Und tatsächlich, beim sanften scrollen durch die Fotosammlung hakte die Bewegung mitunter. Nicht lang, für Zehntelsekunden, nichts was den Ablauf stört, einfach nur eben … nicht ganz perfekt. Der Rest: schon.
Google Maps auf diesem kleinen Gerät stellt alles in den Schatten, was ich jemals in der Richtung gesehen habe. Klar, Google Earth kann mehr. Theoretisch. In der Praxis ist diese Maps Anwendung unglaublich. Das Kartenmaterial lädt sehr schnell, zoomen und bewegen ist absolut intuitiv, die Suche ist schnell.
Zum YouTube Programm gibt es nicht viel zu sagen, außer dass die Videos deutlich schneller laden als in der normalen Webversion. Die Wartezeiten auf ein Video lagen bei etwa einer Sekunde. Instant.
Safari, der Browser ist selbstverständlich das Beste, was es jemals auf einem Telefon zu sehen gab. Das am Häufigsten vermisste Feature ist Flash. Das zeigt, wie hoch Apple die Latte mit dem iPhone gelegt hat: war man bisher schon glücklich eine Seite überhaupt halbwegs auf dem Telefon aufzubekommen, ärgert man sich nun, dass das Flashvideo nicht läuft.
Ein Knackpunkt beim iPhone ist natürlich die Tastatur. Ich kann jeden verstehen, der das Tippen auf diesen winzigen Tasten hasst. Und ich glaube jedem, der mit ein wenig Übung schnell tippen kann. Beim Tippen ist es ein himmelweiter Unterschied, ob das iPhone die intelligente Autokorrektur nutzen kann. Notizen auf (englisch) zu tippen ging auf Anhieb relativ gut, wenn ich mich dazu zwang der Korrektur zu vertrauen. “spreeblick” im Browser einzutippen ist dagegen das Grauen – zumindest wenn man überhaupt keine Übung hat.
Bei all der Schönheit die sch wirklich, wirklich durch alle Bereiche zieht – selbst der Taschenrechner sieht aus wie geleckt – hat das iPhone natürlich noch seine Macken. Es ist quasi das iPhone 1.0. So erzählte mir Jonathan zum Beispiel von regelmäßigen Abstürzen wenn man iPod und Safari gleichzeitig nutzt. Videopodcasts haben nur Ton und kein Bild, wenn man sie unter “Podcasts” antippt. Wenn man auch ein Bild dazu will, muss man sie schon im Videobereich auswählen. Programme von Drittherstellern gibt es im Augenblick noch gar nicht. Ich bin mir sehr sicher, dass sich das noch Ändern wird – vermutlich ist die für Eigenentwicklungen nötige API noch nicht fertig.
Es ist unglaublich, was Apple mit dem iPhone geschaffen hat. Bis gestern mochte ich mein technisch hervorragend ausgestatetes Telefon eigentlich noch ganz gern. Doch seit ein paar Minuten hasse ich es geradezu wegen seiner umständlichen Bedienung. Das iPhone ist nicht das Telefon für den technisch versierten High-Tech Junkie, das iPhone ist ein Telefon für Leute, die von ihrem Telefon nicht mal sonderlich viel erwarten, diese Funktionen aber auch nutzen wollen. Und das perfekt einfach.
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Du hättest natürlich auch einfach zu Gravis am Ernst Reuter Platz gehen können.
Klar. Das wäre aber sicher nicht so nett gewesen. (Außerdem bezweifle ich ein wenig, dass man bei Gravis die Ruhe hat sich wirklich lange mit dem Telefon zu beschäftigen.)
Das mit den Video-Podcasts kann man auch am iPod haben. Unter Musik > Podcasts sind auch die Video-Podcasts gelistet, aber wenn man sie abspielt gibts hier nur Ton.
Und nicht nur da… sogar in FrontRow. Das hat also Methode.
Und nicht nur da… sogar in FrontRow. Das hat also Methode.
Warum ist Flash ploetzlich soooo wichtig? 99% der anderen Smartphones koennen kein Flash darstellen – ohne dass es jemals ein grosses Problem war. Und waehrend Adobe mit Mircosoft um die Zukunft ihrer komischen Player kaempft, entwickelt sich mit OpenSourceSoftware wie AJAX und Co. ein breiter Standard, der vor allem eins ist: Nicht proprietaer.
Gruende dafuer, warum Apple Flash und Java eventuell bewusst nicht implementiert hat, liefert ein interessanter Bericht auf Roughly Drafted [DOT] com:
http://www.roughlydrafted.com/RD/RDM.Tech.Q2.07/879DD82D-5595-4746-BFCE-524BBA7C7A85.html
danke für Deinen erfahrungsbericht!
aber was meinst Du mit “Kartenmaterial lädt sehr schnell” und “dass die Videos deutlich schneller laden” – per WLAN, über at&t-roaming, oder wie?
Wir hatten nur WLAN. Über EDGE lädt Google Maps wohl nicht ganz so schnell. YouTube Videos dagegen laden wohl ähnlich schnell, wenn auch in deutlich reduzierter Qualität.
Und das hat was mit dem I-Phone zu tun???
Ist schon ein Hammer Teil. Schade, dass es in Deutschland wohl nur über T-Mobile kommt.
Kann man denn die iPod Version der Toni Mahoni Videos abspielen? Mehr braucht man ja nicht. ;-)
Ja, Tyler, das geht. Hatte sogar ein Video davon, das war jetzt aber nicht so beeindruckend.
Ja, bei Gravis darf man es zwar in die Hand nehmen, aber mehr als ein paar Minuten sind nicht drin. Ahaaber ich hatte auch schon eihnes in der Hahaahnd. Habenwill.
Na, wie sieht es denn mit O2 aus?
Doch noch Chancen in Deutschland.
Muss ich wirklich den Provider wechseln?
Ich glaube, wer das iPhone in Deutschland vertreiben wird weiss im Augenblick noch niemand. Wir haben auf jeden Fall nicht den allergeringsten Schimmer. Würde mich über O2 freuen (klar), halte es aber eher für unrealistisch.
Wie siehts denn eigentlich mit Software für das Teil aus, ich bin nun leider kein Macianer aber Navi-Programme wird es ja für den Mac auch geben oder? Hat das Teil überhaupt Bluetooth?
Und wurde denn in der dt. Version nun was an der Verbindungstauglichkeit geändert, von wegen UMTS & oder HSDAP?
das Teil hat BT, leider aber softwarebedingt nur für headsets nutzbar. Keine fotos senden/empfangen keine kontakte kein syncen.
-> sehnsüchtiges warten auf update
war übrigens ein sehr nettes gespräch mit max
http://www.openmoko.com
Kann mehr, ist OPEN SOURCE, man kann beliebige Programme installieren (ca. 1500), ist günstiger, wurde VOR dem iPhone publiziert (manche behaupten, dass Apple sich das Design abgeschaut hat), die Hardwareausstattung ist vielfältiger, es wird dafür eine Navigationssoftware geben (such die mal für MAC OS).
Also, warum der iPhone Hype ?
Bjoern, jedem hier ist klar, das Apple nicht das Telefon an sich erfunden hat und das es auch andere Telefone gibt. Das von Apple ist einfach ein besonders gutes. Ob das Neo was taugt muss sich erst noch zeigen – schliesslich hat es ja noch niemand.
Ich habe OpenMoko ein wenig getestet und muss sagen, dass es in der aktuellen Form (Stand LinuxTag Berlin), schlicht unbenutzbar ist. Nahezu alle Anwendungen nutzen den Stift und nicht die Fingereingabe und das recht schlecht. Dazu kommt, dass das Telefon keine Einsteckmöglichkeit für den Stift bietet, so dass hier einem permanent das Bedienelement abhanden kommt.
Die Software zeigt, dass es immer noch keine nennenswerte Anwendungskultur im OpenSource-UI-Bereich gibt, schon gar nicht bei Embedded Devices. Alles sieht nach Desktop im Kleinen aus und das wird nicht funktionieren. Bis OpenMoko bedienbar ist, werden sicherlich noch ein, zwei Jahre vergehen.
das htc-touch is vor kurzem erschienen, von der Bedienung wohl am iphone angelehnt, das ganze aber wieder nicht für den dt. Markt optimiert, also ohne UMTS oder HSDAP :(
http://www.htctouch.com/