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Ein paar Gedanken zu Android und dem iPhone

November 13th, 2007 Leave a comment Go to comments

Ich bin immer noch ein wenig am grübeln, was ich von dem Android-Release von Google halten soll. Die Implikationen könnten extrem weitreichend sein. Klar wird, dass es derzeit zwei Firmen gibt, die den Rest der IT-Industrie vor sich hertreiben: Apple und Google. Und dabei gehen sie auch Hand in Hand, wie die Einbindung von YouTube und Google Maps in das iPhone und jetzt WebKit in Android zeigt. Dies zeichnete sich bereits mit dem Einstieg von Google-Chef Eric Schmidt in den Aufsichtsrat von Apple ab.

Google und Apple. Das Team steht für so einiges. Während Google es klar geschafft hat, die Internet-Elite in sich zu versammeln und das Netz wie kein zweites Unternehmen versteht kann Apple nach wie vor die Führung im Produktdesign für sich in Anspruch nehmen. Das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben. Spannend wird es dort, wo die beiden Unternehmen ähnliche Märkte beackern.

.Mac zeigt, wie wenig Apple Google das Wasser reichen kann, wenn es um Web-Dienstleistungen geht. Das Demo-Video des Android SDK wiederum zeigt, dass die Eleganz des iPhone nicht ohne weiteres kopiert werden kann (von der Art und Weise Produkte zu präsentieren mal ganz abgesehen: das Video hat den Charme eines Homevideos).

Hier einige unsortierte Überlegungen, die die jüngste Ankündigungswelle (SDK für das iPhone, Android SDK für alle anderen Smartphones) meiner Auffassung nach hat.

  • Nokia bzw. Symbian hat eine schwierige Zeit vor sich. Symbian ist ein sehr altes Betriebssystem, das auf mich noch nie einen sonderlich performanten oder gar eleganten Eindruck gemacht hat. Mit OS X und Linux sind zwei Systeme als Konkurrenz am Horizont erschienen, die in einem entscheidenden Bereich deutlich die Nase vorn haben: Internet-Technologien sind auf OSX und Linux einfach zu Hause. Auf Symbian wirkt das Internet immer noch wie das Wort “Multimedia” auf Datenblättern von SAP.
  • Einige Telefonhersteller, die ohne fähiges OS dastehen (wie z.B. Motorola, aber vor allem viele asiatische Hersteller) werden versucht sein, auf Android zu setzen, allein schon um Windows CE loszuwerden. Linux ist im asiatischen Markt ohnehin schon stark vertreten. Dies übt starken Druck auf Yahoo und andere Google-Konkurrenten aus, da Android natürlich vor allem ein trojanisches Pferd für Google-Produkte ist, so offen es auch sein mag. Will Yahoo hier nicht verlieren, müssen sie den von Google ausgelegten Köder annehmen. Den Entwicklungsvorsprung im Anwendungsbereich aufzuholen wird allerdings nicht so einfach sein.
  • Ich habe meine Zweifel, dass Android die Eleganz des iPhone kopieren wird können. Ich denke, Apple wird auf absehbare Zeit einen sichtbaren Vorsprung bewahren. Gegenüber dem Krampf, den Nokia und Sony Ericsson derzeit abliefern wird es aber wohl eine signifikante Verbesserung darstellen.
  • Es bleibt abzuwarten, ob ein gPhone auch die nötige Performance und Stabilität erreicht. In dem Demovideo ist der gezeigte Prototyp extrem langsam: das User Interface reagiert spät, das Scrolling von Maps und auch die recht simple 3D-Demo machen noch einen sehr unausgereiften Eindruck.
  • Die Wahl von Java als Anwedungssprache für Android ist nachvollziehbar, aber nicht ohne Nachteile. Apple ist hier mit seiner dynamischen Sprache Objective C deutlich vorne. Ich habe bis heute noch keine End-User-Anwendung in Java gesehen, die mich überzeugt hätte, weder in Performance noch im Hinblick auf Benutzerfreundlichkeit.
  • Dass WebKit zum Einsatz kommt dürfte bei Microsoft die Alarmglocken noch lauter läuten lassen. Mit Symbian, Android und OS X ist die Verbreitung von WebKit auf mobilen Geräten in kurzer Zeit auf dem Level, den der Internet Explorer im Desktop-Bereich geniesst. Auch den kurzen Höhenflug von Gecko (bzw. Firefox) halte ich für beendet. Trotz jahrelanger Reparaturtätigkeit konnte der Gecko-Code immer noch nicht so optimiert werden, dass er für mobile Geräte in Betracht gezogen werden konnte. Steve Jobs hat schon vor einiger Zeit kräftig bei Google für WebKit geworben. Sein Hauptargument war, dass Apple eine Menge Resourcen darauf wirft, WebKit für den Bedarf mobiler Geräte anzupassen während das Mozilla-Team Schwierigkeiten hat, überhaupt seine komplette Codebasis zu verstehen. Das scheint Google nun ähnlich zu sehen.
  • Google setzt Apple an einer sehr interessanten Stelle stark unter Druck: die Integration von XMPP (aka Jabber) bzw. Google Talk in Android scheint extrem hoch zu sein. Das überrascht mich wenig, nichts macht mehr Sinn als Instant Messaging auf dem Telefon. Die Telcos werden sich sicherlich bald von ihren SMS-Beutezügen verabschieden müssen. Aber auch Apple sollte jetzt mal zeigen, wie es mit seiner Kundenorientierung wirklich steht, denn ein schönes SMS-Interface ist sicherlich sinnvoll, doch die Applikation, die dem iPhone am meisten fehlt ist iChat. Steve Jobs hatte schon vor dem iPhone-Launch gesagt, dass er wenig Gründe sieht, warum iChat nicht auch den Weg auf sein Telefon finden sollte. Da sag ich nur: Butter beie Fische, der Herr!
  • Das trojanische Pferd Android ähnelt mehr einer Matrjoschka, denn es enthält noch weitere. Mit XMPP kommt auch Google Talk bzw. Jingle ins Spiel. Ich wäre schwer überrascht, wenn wir nicht bald auch komplette Internet-Telefonie auf Basis von Jingle auf gPhones sehen werden. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass GSM und EDGE/UMTS für ein gPhone eher eine Backuplösung ist, denn mit WLAN fängt das Gerät erst richtig an zu atmen. Dann bekommen wir, was wir schon immer haben wollten: Flatrate-Kommunikation auf allen Ebenen. Wünschenswert und sicherlich nicht mehr sehr weit entfernt.
  • Dass es Android war, was Apple zur Vorankündigung ihres SDKs gewzungen hat, halte ich für nicht unwahrscheinlich. Sicherlich war es Teil der Überlegung. Denn von Googles Anstrengungen geht ein deutliches Signal in die Entwicklerwelt aus: “All applications are equal”. Das ist beim iPhone ganz anders. Und es bleibt zu wünschen, dass Apple die Lizenzpoliktik bei seinem SDK nicht zu restruktiv handhabt, denn sonst treibt es die Entwickler zu Android, woran Apple wenig Interesse haben dürfte, denn da das iPhone auf Java verzichtet ist jeder auf das gPhone setzender Entwickler ein verlorener Entwickler.
  • Noch etwas unklar ist, wie vollständig Android auf der Systemebene ist und wie viel Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Softwaresammlung auch wirklich auf einem Telefon zum Laufen zu bekommen. Die GSM-Welt ist ein schwieriger Bereich, da die Dokumentation der GSM-Hardware teilweise nur mit NDAs zu erhalten ist. Linux ist zwar hochportabel, aber die Unterschieder bei den Plattformen sind gross und die Entwicklungszyklen sehr kurz.
  • Ich bin gespannt, welche Auswirkungen Android auf das OpenMoko Projekt hat. Da bei beiden Linux zum Einsatz kommt, könnte ich mir eine Menge gegenseitiger Einflussnahme vorstellen. Die Finanzkraft und Entwickler-Power von Google könnte hier beide Systeme entscheidend voranbringen. Allerdings ist Java ist trotz der jüngst eingeführten GPL-Lizenzierung immer noch kein Lieblingskind in der Bewegung der Freien Software. OpenMoko setzt zudem auf C-basierte Anwendungsentwicklung (was ich für einen Fehler halte). Ich wäre nicht überrascht, wenn sich die Oberfläche von Android auch bei OpenMoko einschleicht, da die Zahl der Anwendungen sicherlich bald alles übersteigen wird, was derzeit für Linux auch auf dem Desktop erhältlich ist.

Es bleibt spannend. Beim Fight zwischen Google und Apple stehen für mich derzeit nur die Verlierer fest: Nokia und Sony Ericsson mit ihrem Symbian-OS büssen erheblich an Einfluss ein und machen nicht den Eindruck, als ob sie irgendwelche Antworten parat hätten. Microsoft wird auch weiterhin wenig Freude an Windows Mobile haben, was seit Jahren nur Verluste einfährt. Dazu dürfte es auch mit der Vorherrschaft des Internet Explorers in spätestens zwei Jahren endgültig vorbei sein (Google spricht von WebKit in dem Video bereits vom “Industry Standard” :). Damit verliert Microsoft weiter an Boden im Bereich der Zukunftstechnologien.

2008 verspricht spannend zu werden. Apple ist muss sich jetzt gegen Google behaupten bei ihrem anstehenden gemeinsamen Raubzug im Telco-Markt. Beide werden hier sicherlich auf absehbare Zeit sich große Stückchen vom Markt abschneiden dürfen. Die Frage ist, wer letztlich die Nase vorne hat. Das lässt sich derzeit noch nicht beantworten.

Denn Apple hat wieder den Vorteil, den sie jetzt endlich auch im PC-Markt ausspielen können: sie kontrollieren die Hardware und werden auch im Telefonmarkt diejenigen sein, die zeigen, was abgestimmte Hard- und Software zu leisten in der Lage sind. Google kann dies nicht leisten und von den Handyherstellern erwarte ich in der Hinsicht wenig bis nichts. Am Ende zählt nicht selten das Detail. Die Hardware-Beschleunigung von Quartz, die faszinierenden Fähigkeiten von Core Animation und die ausgereiften Stromspar-Optionen von Darwin sind nur einige der Assets von Apple, die ein großes Plus für die Produktentwicklung darstellen und dem auch ein Android derzeit wenig entgegenzusetzen hat.

Es bleibt spannend.

  1. November 13th, 2007 at 12:12 | #1

    Fight Apple gegen Google? Also doch kein Goopple, wie einige vorhersagen (beispielsweise http://medienkonvergenz.com/2007/10/18/goopple-die-zukunft-des-personal-computing/)?

    Die Schwächen von Mozilla Firefox bedaure ich ausserordentlich, denn Surfen ohne all die Erweiterungen (insbesondere auch AdBlock Plus) ist für mich kaum noch vorstellbar … gerade auch auf dem Handy möchte ich mir nicht all die Werbung, usw. aufzwingen lassen.

  2. November 13th, 2007 at 12:23 | #2

    Interessante Gedanken, wenn auch ohne Schluss, Will ich aber nicht kritisieren, denn ich weiss auch noch nicht, wie man das einschätzen soll. Die Präsentatation wirkte ganz cool, aber so richtig “touchscreenig” war das ja nicht. Und ab und zu auf dem Screen rumtippen und ab und zu an den Menütasten, das kann ich schon mit Windows Mobile haben. Das übrigens auch nicht so geschlossen ist, wie manche meinen. An das Telefonbuch, den Speicher, Kamera, GPS, etc. komme ich da auch ran. Brauche ich wirklich mehr für die Entwicklung von Anwendungen? (OpenMoko ist toll, wenn da kein Provider mehr reinfuschen kann, aber für den Anwendungsentwickler braucht man den Kernel in den seltensten Fällen).

    Wenn man sich XMPP anschaut, muss man sich bei Apple sofort fragen, warum im iPhone kein iChat drin ist. Wie so einiges andere auch, das so offensichtlich fehlt, dass ich die erste Generation iPhone wohl auslassen werden.

    Und noch ein Fehler im Artikel: Motorola hat ein eigenes Betriebssystem. Sogar mehrere. Das alte Zeuchs von denen selbst, ein Linuxbasiertes. Außerdem haben die vor kurzem 50% an UIQ gekauft und machen natürlich auchbei Android mit. Die haben also ganz viele Betriebssysteme, allerdings keine Strategie …

  3. November 13th, 2007 at 12:34 | #3

    Nokia scheint wohl auch schon im Vorfeld aufgeschreckt zu sein. Auf der Web2Expo wurden letzte Woche N95 8G gezeigt, auf denen eine beta des nächsten Symbian lief. Das bietet nativen Support für Widgets (!= Widsets, die es jetzt schon gibt aber Java benötigen) die als kleine JS/XHTML Apps nativ laufen und direkt aufs Netz zugreifen. Das wäre dann zumindest ein erster Schritt zu besserer Internet Integration. Die Widgets funktionieren so, wie man sie vom Mac kennt. Laut Nokia lassen sich Dashboard oder Yahoo Widgets einfach portieren.

    Wann die neue Symbian Version kommt und ob diese auf den jetzt aktuellen Geräten laufen wird, konnte mir niemand sagen. Die gezeigten 8G N95 waren lt. Nokia keine Seriengeräte sondern Labor-Prototypen fürs neue Symbian.

  4. tfff
    November 15th, 2007 at 10:55 | #4

    Habe mir das Demovideo von Android angeschaut und es hat mich doch sehr sehr an Apple erinnert. Die gleichen Symbole auch außerhalb des Browsers, CoverFlow für Webseiten, ein dockähnliches Gebilde, Quicksilver zum wählen..

  5. November 18th, 2007 at 15:56 | #5

    Symbian bzw. EPOC ist eigentlich ein performantes System. Das Problem ist jedoch, dass einige Handyhersteller (nennen wir sie mal N…) gerne ihre Handys mit wenig CPU und RAM ausgestattet haben und daher das ganze lahmte. Beim PC/Mac kann man schnell und kostengünstig (wenn nicht via Apple) upgraden, bei Handys leider nicht.

  1. November 13th, 2007 at 17:30 | #1
  2. November 13th, 2007 at 22:34 | #2