Microsoft ist das neue IBM
Bill Gates tritt ab und wie es aussieht auch die HD-DVD. Zeit wird’s – in beiden Fällen. Dass sie so ungeplant zusammenfallen ist in meinen Augen symptomatisch, denn das Haus Microsoft ruht schon lange nicht mehr auf festen Säulen. Vielmehr ist Microsoft das neue Venedig: eine auf Wasser gebaute und nur noch von ihrer Vergangenheit zehrende Touristenattraktion, die irgendwann untergehen wird. Entweder an sich selbst oder durch die Klimakatastrophe.
Die Globale Erwärmung, die Microsoft zu fürchten hat, ist die Adoleszenz des Computermarktes. Spätetestens mit dem nächsten Jahrzehnt kann die Industrie keinen Jugendschutz mehr für sich in Anspruch nehmen und pubertäre Auswüchse werden nicht mehr toleriert. Unzuverlässige Software, undokumentierte Protokolle und Dateiformate sowie anti-kompetitives Verhalten von Herstellern sind Auslaufmodelle. Dies war das Fundament Microsofts Erfolg. Will Microsoft weiter erfolgreich bleiben, müssen sie rechtzeitig Konsequenzen ziehen, neue Märkte schaffen und auf kompetitiver Basis mithalten.
Da dies von Microsoft in den letzten zehn Jahren aber mehr als sträflich vernachlässigt wurde, kommt jetzt eine Quittung nach der anderen: Windows Mobile kriegt bei den Smartphones keinen Fuß vor die Tür, die Xbox wird auch weiterhin kein Geld verdienen und ist eine Support-Hölle (und mit dem Niedergang der HD-DVD auch eine Technologie-Sackgasse); der Zune ist unbedeutend; Vista ist wahrscheinlich besser als sein Ruf aber leider mit einer (schlecht funktionierenden) Online-Registrierung verheiratet, die keiner haben will; OOXML wird weltweit niedergekämpft, der Internet Explorer verliert an Marktanteilen und ist im aufstrebenden Mobilbereich quasi aus dem Rennen, die “Live”-Services können es mit den Konkurrenten nicht aufnehmen und so weiter und so fort.
Natürlich werden Windows XP und Microsoft Office auch noch in den nächsten Jahren den Großteil der Einnahmen von Microsoft einspielen (nur hier kann sich Microsoft noch die absurden Margen erlauben, die auf anderen Märkten undenkbar wären), doch wie es aussieht, bleibt es dabei auch. Denn es nagen an diesem Kuchen nahezu alle Mitspieler am Markt, gegen die sich Microsoft jüngst kaum noch wehren konnte. Apple, Google und letztlich das ganze Web wollen nicht mehr nach Microsofts Nase tanzen und dadurch bröckelt das Imperium schon merklich. Als Kooperationspartner hat es sich Microsoft mit allen verdorben. Finanziell mag Microsoft noch eine Weile überleben und Gewinne machen – der Einfluss scheint aber dahin. Microsoft ist das neue IBM.
Meine gewagte These ist diese: Microsoft ist bereits geschlagen. Ich sehe zumindest keine Anzeichen von irgendeinem Sieg irgendwo. Es gibt nur noch Rückzugsgefechte und verzweifelte Ignoranz. Nun fragt sich nur noch, wer die Lücken füllen wird, die entstehen werden und bereits entstanden sind. Selbstverständlich ist Apple hier ganz oben auf der Liste (und vor allem fast die einzige Firma, die Microsoft auch noch im Bereich ihrer goldenen Kälber Windows und Office auf Raubzug gehen könnte). Die neuen Webmärkte gehen zur Zeit weitgehend an Google. Nintendo ist der strahlende Sieger im Spielkonsolenmarkt und die BluRay-Entscheidung könnte sogar der Playstation 3 zum Aufstieg verhelfen. Am Ende könnte es sogar richtig blutig werden.
I don’t care. Microsoft hat sich stets als unwürdig für die Spitze erwiesen – widerliche Graugesichter, die den Blauhemd-Krawatten-Büro-Durchschnittsheini zum Superstar erklärten und das Mittelmass zum Mass aller Dinge. Man muss sich nur mal den Haben-wir-gelacht-Humor von Gates’ Abschiedsvideo anschauen. Grauenhaft. Und sogar das Letzte vom Letzten ist eine schlechte Kopie. Time to go, Bill. Time to go, Microsoft. Keiner wird Euch eine Träne nachweinen.
Nun, ich habe keine Ahnung, ob Apple seinen Lauf in den nächsten fünf Jahren durchhalten kann, aber wenn sie es tun, werden sie sicherlich die Führung im Heimbereich übernehmen und im Business-Bereich zumindest so viel zulegen können, dass sie nicht mehr ignoriert werden können. Das iPhone zeigt da schon gut, wo es langgehen kann. Da natürlich jeder gehobene Manager mit so einem Teil rumläuft werden jetzt auch noch die ekligsten Customer-Relationship-Management-Tools mit einem iPhone-User-Interface versehen. Der Rest ist Domino.
Es ist eigentlich erstaunlich, wie sehr Apples Fortschritte in den letzten Jahren allgemein unterschätzt werden. Das liegt aber wohl daran, dass bestimmte Massnahmen auch erst spät sichtbar werden.
Man betrachte in diesem Zusammenhang mal Safari. Als Browser taucht er in den Statistiken an vielen Orten unter ferner liefen auf und wurde auch sonst lange Zeit nicht Ernst genommen – die später erschienene Windows-Version wurde belächtelt (teilweise zurecht, da Apples Code die geübten Security-Hacker nicht viel Mühe kostete). Doch die eigentliche Erfolgsstory dahinter heißt nicht Safari – sondern WebKit.
WebKit ist heute auf dem Weg zum Gold-Standard im World Wide Web zu werden, und zwar durch mobile Geräte, vor allem Telefone. Fast kein Hersteller ist mehr zu finden, der nicht auf WebKit setzt – Apple, Nokia, Google, sogar OpenMoko. Von Gekko – der Rendering Engine von Firefox – wird es offensichtlich nie keine mobiltaugliche Version geben – zu groß ist der Code und zuwenig Leute gibt es, die ihn verstehen. Die mobilen Versionen des Internet Explorer und Opera spielen keine signifikante Rolle mehr. Auf dem Desktop sind die Rollen zwar noch anders verteilt, aber WebKit-basierte Browser holen auf.
Auf WebKit zu setzen war eine der klügeren Entscheidungen von Apple, denn dadurch gelingt es Apple wieder, im Plattformkrieg mitzuspielen. Dabei geht es nicht nur darum, Microsoft in den Griff zu kriegen, sondern auch Adobe. Apple setzt ganz auf Webstandards – Adobe setzt auf Flash. Dass das iPhone kein Flash kann und können wird, dürfte Adobe nicht schmecken. Nun wird es natürlich Zeit, dem Web die wirklich begehrenswerten Eigenschaften von Flash hinzuzufügen. Es bleibt spannend.
Nur Microsoft darf leider nicht mehr mitspielen.
in iTunes abonnieren
Also ich muss zugeben, dass ich das Bill-Gates-Abschiedsvideo schon etwas lustig fand. Nicht hilarious, aber ganz nett.
Ansonsten eine schön zusammengetragene Analyse.
Ohne da jetzt en Tenor bezweifeln zu wollen:
1.HD-DVD wurde von Microsoft mitentwickelt, ist aber mehrheitlich eine Toshiba-Initiative. Allerdings ohnehin durch Abwesenheit von Region Codes zum Scheietrn verurteilt, da sind die Studios einfach noch nicht so weit, dass sie weltweit zeitgleich releasen wollen. Fand ich jetzt zwar nicht schlecht, hatte mich aber sehr gewundert, dass das überhaupt ein Studio unterstützt hat. Aus dieser Sicht ist die Niederlage der HD-DVD dann auch etwas traurig. Ich würde im Moment lieber Sony als Microsoft von der Landkarte verschwinden sehen. Wieso gibt es Sony überhaupt noch? Können die noch irgendwas vernünftiges außer Kopfhörern bauen?
Ansonsten ist es natürlich auffällig, dass Microsoft seit Windows und Office eigentlich keinen Markt mehr dominieren konnte. Obwohl sie es in so vielen versuchen. Und immer mit den gleichen Mätzchen – wie zur Hölle kann man denn sich JETZT noch überlegen, Flash Konkurrenz machen zu wollen?
Naja,
Microsoft wurde ungefähr 384mal für tot erklärt. Aber das war immer etwas vorzeitig …
Zu den Margen: Wer mir bei Microsoft sinkende Margen nachweisen kann, her damit. Die Geschäftsberichte liegen im Web, man muss nur nachschauen, bevor man was behauptet. Kurz: Die Margen sinken nicht. MS geht zwar immer wieder in neue Märkte und subventioniert die zutiefst quer, aber die meisten Bereiche kommen irgendwann in die schwarzen Zahlen. Die XBOX ist inzwischen z.B. profitabel, auch Windows CE/Smartphone ist profitabel (IIRC). Dass die keinen Fuß auf den Boden bekommen bei den Smartphones stimmt auch nicht. In den USA sind die mit ABSTAND Marktführer. Da ist Nokia/Symbian mit riesigem Abstand Dritter.
Und man sollte die unglaubliche Macht, die MS durch das (Quasi) Monopol auf dem Dektop hat, nie unterschätzen. Es ist unglaublich einfach, die Leute auf die Live-Services zu ziehen. Sei es Mail. Sei es Suche. Sei es Online-Dokumentenverwaltung. Lass mal den Thesaurus von Word im Web nachschlagen. Das bringt MS sofort 100 Mio. PIs im Monat.
Ich würde mich über nichts mehr freuen, als das dieser permanent mit linken Tricks arbeitende Konzern Microsoft versinkt, aber ich glaube dass das erst passiert, wenn es einen hundertprozent kompatiblen und gleichwertigen Ersatz für Office und Outlook/ Exchange gibt. Man muss sich nur die permanenten Diskussionen bei Slashdot anschauen, dann weiss man, dass auch härteste Geeks und OpenSource Verfechter da passen müssen. Es wird immer noch mehr in Richtung Exchange migriert als davon weg.
Ich würde deinen Artikel vielleicht noch etwas härter angehen, aber im Endeffekt ist er einer, der vor 5 Jahren auch schon hätte erscheinen können. Und was ist seitdem passiert? Der IE hat einen Marktanteil von 85% statt 95%. Huh. Und Office einen von 98 statt 99. Und Windows einen von 93 statt 97%. Ich schätze Microsoft zittert am ganzen Körper. Man, mit den Zahlen verdienen die ja nur noch 1,8 Milliarden pro Monat statt 1 Milliarde vor 5 Jahren?!? Der Satz ist absichtlich Schwachsinn, denn die Microsoft Gewinne steigen noch immer.
Bye egghat
Ich glaube, da bist du etwas voreilig. Ihre Live-Plattform ist über’m Teich vergleichsweise erfolgreich und selbst wenn sie den Formatkampf bei Office-Dokumenten verlieren, so wird ihre Software weiterhin dominierend sein. Auch wenn Vista gegenüber den Zielen ein Reinfall ist, so werden die Rechner immernoch gebundelt und sie haben einen Marktanteil, wo so etwas ärgerlich, aber in keinster Weise bedrohlich ist. Solange nicht große Firmen beginnen auf Linux-Desktops umzusteigen oder Apple Mac OS für alle PCs freigibt, solange müssen sie für ihre OS keine Angst haben. Sie versuchen ja sogar Linux/Unix in traditionellen Bereichen wie dem Supercomputing anzugreifen und sind da sehr aggressiv.
Zune wird ein Reinfall bleiben, aber die XBox sollte sich inzwischen dank dem Spiele- und Lizenzverkauf, sowie dieser Vernetzungssache lohnen.
Mit dem Internet Explorer 8 werden sie wohl auch bei den Browsern ihren Marktanteil besser verteidigen können.
Windows Mobile ist soviel ich weiß bei Smartphones Marktführer …
Ich bin kein MS-Fan, aber es wäre falsch sie zu unterschätzen.
Apple dagegen sollte nicht überschätzt werden. Das iPhone spielt in Deutschland quasi keine Rolle – es ist ausschließlich in den USA wirklich erfolgreich. Das kann sich ändern – aber da ist nicht nur Apple entscheidend, sondern auch die Provider. Im Heimbereich werden Apples auch in 5 Jahren nicht die Führung übernehmen, da sie sehr große Zielgruppen vernachlässigen. Mit alleine dem iMac und dem Mac Pro (der Mac mini spielt ja keine Rolle mehr) lässt sich auch kein Blumentopg gewinnen – hier fehlen zwei Größen um für alle interessant zu sein. Mit den Notebooks wird man auch keine Zocker locken – da ist Dell attraktiver. Ich glaube deshalb, dass es gar nicht Apples Ziel ist im Computerbereich irgendeine Führung zu übernehmen – aus der Nische agiert es sich gar nicht so schlecht. Sie werden eher versuchen im medialen Heimbereich (Audio und Video) die Führung zu bekommen. Ich würde an ihrer Stelle dazu zum Beispiel Sonos oder ähnlich etablierte Firmen zu übernehmen.
So? Eine Quelle dafür? Bitte ohne, dass Microsoft als Sponsor/Auftraggeber beteiligt war ;-)
@egghat: Microsoft ist nicht Marktführer in den USA, sondern RIM. Danach kommt jetzt bereits Apple. Weltweit ist Symbian Marktführer – und zwar mit grossem Abstand.
Quelle: http://developer.symbian.com/main/getstarted/newsletter/MarketRoundUp/SymbianMarketRound-UpIssue2Oct07FINAL.pdf
Microsofts Macht auf dem Desktop will ich gar nicht unterschätzen, aber ich schätze die Macht des Desktops geringer ein, als er es in den letzten 10 Jahren war.
Du kannst gerne meinen Artikel noch “härter” angehen. Ich bin ja immer einer guten Diskussion interessiert. Aber bedenke, dass es mir hier nicht um Marktanteile geht, sondern um Einfluss. IBM verdient auch heute noch gutes Geld und ist ein Schwergewicht und alles. Aber ihr Einfluss ist nicht mehr der, der er war. Microsoft hat lange Zeit die Koexistenz anderer Systeme gefährdet. Und damit ist es vorbei. Nicht mehr, aber auch nicht weniger, wollte ich sagen.
Sehe ich ähnlich wie Theo: Bill Gates geht ab, und mit ihm das “alte” Microsoft. Das Microsoft, das man leidenschaftlich hasste, dem man sich aber nicht entziehen konnte. An allen Fronten herrscht Stagnation oder gar Rückzug. Das heißt nicht dass MS von heut auf morgen pleite geht, aber in 10-15 Jahren könnten sie wirklich das neue IBM sein. Groß, aber unbedeutend.
Boah, wie peinlich. :(
@Theodor: Ich stimme Deiner Aussage eigentlich vorbehaltlos zu. Allerdings interessiert mich, warum es so kam, wie es kam. Und vor allem: Welche Möglichkeiten hätten sie, aus Deinem Zukunftsszenario auszusteigen. Denn es gab ja eine Zeit, in der MS noch nicht Marktführer war. Da gab es noch Apple, Atari und Commodore.
Der Startschuss für den unglaublichen Aufstieg von MS war mit Sicherheit der 286er. Der war von Hause aus eigentlich nicht besser als die Konkurrenten. Aber er war wie ein Puzzle. Wie eine selbst zu befüllende Wundertüte. Damals waren die Geeks und Nerds DOS-User. Ich hatte zwar auch Coherent Unix aber die wirklich spannenden Sachen passierten unter DOS und OS/2.
Mit der jetzigen Präsenz von Win spricht MS die Nerds nicht mehr an. ‘Auf meinem Notebook läuft Win.Server.X.Y.irgendwas’ lockt keinen Dau hinter dem Ofen hervor. Für diesen Effekt braucht man Linux oder OSX (Ich hab mir jetzt auch Mac installiert, na ja das Theme.). Für den Dau von heute gilt: ‘Wenn ich mal groß bin, dann verwende ich auch Unix!’. Bis dahin lädt er sich das neueste gecrackte Vista aus der Tauschbörse.
Allen neuen Sachen von MS haftet heute der Geruch von Na-mal-sehen,-ob-sich-das-bei-den-Daus-durchsetzt an. Nach meiner Meinung kann sich aber – zumindest in dieser Branche – nichts durchsetzen, wenn es nicht die coolen Typen als erstes haben.
@Martin: Das Thema unabhängige Studien ist ja schon schwer. Richtig schwer wird es dann, wenn man unabhängige Studien über Microsoft sucht … Vielleicht habe ich einen zu starken Fokus auf KMU, aber hier wird immer noch nach Exchange migriert, nicht weg. Teilweise schafft es Novell nichtmals die eigenen Groupwise-Kunden auf das eigene Linnux zu ziehen …
@Theodor:
Das mit der Marktabgrenzung ist immer schwierig. Wenn man alles bei Symbian zählt, sind deine Zahlen sicherlich richtig. Allerdings ist für mich Series 40 kein Smartphone. Das muss schon Series 60 sein. Wenn man das anders abgrenzt, kommt man zu anderen Ergebnissen, interessanterweise vom gleichen Institut …
http://www.roughlydrafted.com/2007/12/14/canalys-symbian-apple-iphone-already-leads-windows-mobile-in-us-market-share-q3-2007/
Da liegt in den USA Rim vor Apple vor MS. Alle relativ gleich groß. Dann ein Riesenloch und dann kommt Symbian.
Du hast sicherlich Recht, wenn du MS einen sinkenden Einfluss unterstellst. Aber von welchem Niveau aus? Von der totalen Kontrolle auf naja nur noch fast totale Kontrolle? Die sind noch lange nicht tot. Und vor allem sind die es nicht, weil die doof sind, sondern weil die Kartellbehörden denen permanent auf die Finger schauen. Glaubst Du, dass die Google so fair behandeln würden, wenn die nicht müssten und Google die Möglichkeit bekäme, eine lokale Suchmöglichkeit ins Betriebssystem einzubauen? Glaubst du, die würden dem Samba Team Spezifikation zur Verfügung stellen? Nein, glaubst du bestimmt nicht. Deshalb ist es voreilig, MS für tot zu erklären. Wenn die dürften, würden die bestimmte Webdienste platt machen wie immer. So wie Netscape oder Novell oder oder …
Ja, MS verliert Einfluss. Die können bei einem neuen Betriebssystem nicht mehr machen, was die wollen. Dann kaufen die Leute was anderes. Ja, peinlich für MS, dass nur knapp 40% der neuen Computer mit Vista ausgeliefert werden. Aber was juckt es MS, wenn dazu noch 50% mit XP kommen?
Microsoft wird oft unterbewertet. Aber Microsoft war vor einem Jahr die meistbesuchte Site (also alles von MS zusammen, als microsoft.com + hotmail + viele andere). Da war noch nicht viel mit Windows Live. Ich habe zwar keine aktuelleren Zahlen, aber wenn Microsoft nicht noch immer erster oder Zweiter wäre, würde ich mich sehr wundern.
Dann, Microsoft ist weder dumm noch im Niedergang. Das Einzige, was Microsoft richtig weh tun würde, wäre Mac OSX auf jedem Rechner, bzw. von mir aus auf jedem Dell-Rechner. Das gäbe richtig Marktanteil. Allerdings sind alle Firmen, die mit offenem Visier gegen MS gekämpft haben, heute nur noch Klitschen …
bye egghat
Egghat, ich rede auch nicht unbedingt von Novell, sondern von Lotus Domino als der Hauptwettbewerb zu Exchange.
IBM als groß aber unbedeutend zu bezeichnen, zeugt nicht gerade von viel Erfahrung um den IT-Markt. Man darf nur nicht vergessen, dass IBM seit dem Verkauf der PC-Sparte ausschließlich B2B-Geschäft macht und quasi nichts an Consumer verkauft. Dort liegt aber auch nicht unbedingt das Geld.
Und trotzdem kommt noch genug von IBM beim Consumer an – bei der aktuellen Spielekonsolengeneration ist der IBM-Marktanteil 100% ;-)
Zudem ist IT heute nicht mehr nur Hardware oder Software, sondern tatsächlich “Lösung” mit Dienstleistung dabei – davon sieht man aber als Verbraucher halt auch nichts.
IBM ist nicht mehr alleiniger Marktbestimmer und -beherrscher (wobei es ja eigtl. um viele Märkte geht), aber bedeutend ist sie immernoch.
@egghat: Dass jetzt noch so viel XP gekauft wird, ist für Microsoft sehr wohl ein Problem. Denn das bedeutet, dass es noch länger dauert, bis sie sich alter Technologien entledigen können und einen Rattenschwanz an Feature- und vor allem Sicherheitssupport leisten müssen. Das kostet Geld. Entsprechend spät werden sich Entwickler auf Vista einlassen.
Aber jetzt steht so einiges an, z.B. die Migration 64 Bit-Adressen. XP hat da nichts und Vista nur unterschiedliche Versionen. Diese Migration wird sehr schwierig werden, vor allem, wenn man noch nicht mal jetzt die Entwickler auch nur auf die bereits ein Jahr alte Vista-Plattform holen kann. Bei Apple ist das 64 Bit Problem gelöst.
Das zweite Problem sind die mobilen Anwendungen. Klar, es gibt Windows CE/Mobile. Aber wird es den gleichen Sicherheitsstandards wie Vista gerecht? Ich habe da grosse Zweifel. Es sind zwei vollständig unterschiedliche Betriebssysteme, mit unterschiedlichen APIs. Auch hier hat Apple das Problem gelöst: ein OS auf allen Produkten (mit Ausnahme des iPod nano und Classic). Dies wird Kosten und Aufwand senken.
Ich will mich aber nicht in Technikdetails verheddern. Klar ist Microsoft nicht “tot”. Das habe ich aber auch nicht gesagt. Ich habe gesagt, Microsoft sei das neue IBM, IBM ist auch nicht tot, sondern unbedeutend, was den Fortschritt im Personal Computing angeht.
Dass Apple OS X auf normalen PCs zum Laufen bringen muss, um Microsoft Konkurrenz zu machen, sehe ich nicht. Im Gegenteil. Erstens ist Apple eine Systemcompany, die mit jedem verkauftem Mac mehr Geld verdient als Microsoft mit einem OEM-Windows. Und das ohne den Support-Stress mit schlecht gebauten Computern. Das erlaubt Apple auch, die Entwicklung voranzutreiben. Bei Windows hat sich technisch wenig getan in 5 Jahren. Bei Apple ist alles neu. Und gut 80% der Nutzer ziehen binnen eines Jahres auf die jeweils neueste Plattform nach.
Der Markt befindet sich im Applikationsbereich im Umbruch. Qualität und Innovation zählt wieder was. Anwendungen lassen sich auf Mac und iPhone einfacher entwickeln als auf Windows und Windows Mobile.
Und was den “Marktanteil” betrifft, gilt es wie immer genau hinzuschauen, von welchem Markt man redet: im PC-Bereich gibt es zwei Märkte. Einen, in dem man gut verdient. Einem, in dem man wenig verdient. Apple beschickt nur den ersten und dort machen sie so schnelle Fortschritte, dass einem schwindlig werden kann.
Ich will mich auch nicht in Details verhedddern, deshalb antworte ich auch nicht auf jedes Detail. Aber wenn man mit Aufzählungen eine Reihe von Fehlern oder Misserfolgen belegen will, dann sollte die Aufzählung auch schon in großen Teilen stimmen. Und dass MS keinen Fuß auf den Boden bekommt, stimmt einfach nicht. Die XBox ist profitbabel. Die Smartphones sind auch nicht erfolglos (man neigt aus europäischer Sicht dazu, Symbian zu überschätzen). Die Live Services können es nicht mit der Konkurrenz aufnehmen: Die Maps von MS in den USA sind teilweise sogar besser als die von Google und saumäßig viel Traffic haben die MS Angebote auch. Ich sehe einfach kein breites Versagen von MS.
Klar, die neuen Bereiche sind kompetitiver und die Wettbewerber sind da. Aber es gab schon immer Bereiche, in denen MS gegen andere angekämpft hat. Und am Ende hat MS gewonnen. Es gab mal Netscape. Wen? Es gab mal Palm. Wen? Es gab mal Novell. Wen? Es gab mal Lotus 123. Was? In allen Märkten war MS der Herausforderer. Immer hat man ähnlich argumentiert wie du: MS kann das nicht. In dem Markt haben die Konkurrenz, da werden die kein geld verdienen. Und am Ende war die Konkurrenz platt und MS hat Geld verdient.
Klar, es gibt Phasen, in denen MS auf einem Bereich einen tollen Wettbewerber hat. Das war mal Novell, das war mal Lotus, das was mal Netscape, das war vielleicht mal Sun, das war vielleicht mal Sony. Schau zurück, wer davon gewonnen hat.
Nein, meine These ist und bleibt: Solange MS jeden Monat 1 Milliarde Quasi.Monopol-Gewinne einfährt, kann keiner gegen die anstinken. Und um das zu können, müsste jemand die Marge in den Kerngeschäftsbereichen zerlegen. Und da sehe ich niemanden.
Apple? Näh. So gern OS X mag, aber die Internetstrategie von Apple ist mal gar nichts. Apple TV ist ein Flop, der iPod wird gerade von DRM-freier Musik angegriffen, einen vernünftigen Computer für’s Büro stellt Apple nicht her, das iPhone ist mir einem dämlichen Vertriebsmodell gecrippelt, etc. pp. So eine Liste schreibt sich schnell zusammen …
Und ob Apple mit Mac+OS X wirklich mehr Geld verdient als MS nur mit dem OS würde ich auch mal erst nachschlagen wollen. Umsatz macht Apple natürlich sehr viel mehr, aber ob die auch mehr Geld verdienen? Durch die teuren Lizenzen von Windows kann es gut sein, dass Microsoft 150 Dollar im Schnitt pro OS einnimmt und das mit einer Marge von über 90%. Das ist schon ziemlich viel. Ich schätze, dass zumindest bei einem Mini für Apple weniger Geld übrig bleibt.
Aber lass es mal gut sein. Ich verstehe ja deinen Punkt. Und vielleicht hast du Recht und MS ist wirklich nicht mehr ganz so mächtig wie vor 5 Jahren. Aber viel oder entscheidender ist der Unterschied zu früher nicht.
bye egghat