Der Mac und die Fernseher
Ich habe jüngst die Idee entwickelt, anstatt eines Projektors doch eher einen dieser großen LCD-Fernseher zu kaufen, die einem scheinbar überall zu Dumpingpreisen nachgeschmissen werden. Also startete ich eine Recherche und fand mich bald in einem Dickicht widersprüchlicher Spezifikationen und Versprechungen wieder.
Letztlich ist mir der Fernsehteil weitgehend egal, da ich nicht vorhabe, mit dem Gerät Fernsehprogramme zu schauen sondern ihn primär als großes Display für einen Mac mini zu verwenden, der dann als Media Center usw. usf. yadayada, you know that story.
Also zog ich aus um die Gerät mit meinem MacBook zu testen, wie sie sich beim Anschluss eines richtigen Computers konkret verhielten. Dabei offenbarten sich gleich eine Reihe von Problemen, mit denen ich so vom Start her nicht gerechnet hatte, da ich in meiner digitalophilen Gesamtnaivität nicht mit den langen Schatten der gemeinen Fernsehtechnologie gerechnet hatte.
Getestet habe ich bislang diverse Geräte 40-42-Zoll “Full HD” von Panasonic, Toshiba, JVC, Samsung und Loewe. Ich kann jetzt keine spezifischen Bezeichnungen runterbeten, die scheinen sich auch von Webstore zu Webstore und Produktkatalog zu Produktkatalog nach irgendwelchen geheimen Formeln und Buchstaben und Zahlen zu ergänzen und zu verschieben, deren Innerstes auch Indiana Jones bislang verborgen blieb.
In meinen Tests arbeitete ich mit einem schwarzen MacBook über den Mini-DVI-Ausgang mit einem HDMI-Adapter. Die Erkennung der Fernseher funktionierte durchweg reibungslos, doch ab dann wurde es rauer. Hier eine Liste üblicher Probleme, auf die ich stieß:
- Die Fernseher torpedierten die Bildqualität mit allerlei “Bildverbesserungsmaßnahmen”, vornehmlich “Schärfe” und “Bewegtbildkompensation”. Dies führt zu widrig zitternden Pixelupdates wenn sich mal irgendwo was ändert, lästigen Pixelschatten und anderen graphischen Ungereimtheiten. Das muss man alles ausschalten.
- Die wenigsten Fernseher sind in der Lage, eine solche Einstellung als Default _pro Eingang_ zu konfigurieren. Meist handelt es sich um ein globales Setting, was einem beim Betrieb mehrerer Quellen, die nach unterschiedlichen Einstellung dürsten, einen Riegel vorschiebt.
- Nicht alle “Full HD” Fernseher waren in der Lage, meinem MacBook einen 1080p Zugang (Non-Interlace 1920×1080 Pixel) anzubieten. Entsprechend ging es mit der Interlaced-Variante 1080i zur Sache. Trotzdem bestanden verschiedene Fernseher in ihrem Bildeingangsmenü darauf, dass sie ein 1080p-Signal empfingen, was ich ihnen nicht abnehme.
- Bei meinem MacBook – und es sieht so aus, als ob das mindestens bei einem Mac mini den ich im Vergleich sah – wird der Bildschirminhalt auf wunderbare Weise auf eine geschätzt 90% kleinere Fläche projeziert. Mal zentriert, manchmal auch leicht horizontal verschoben. Trotzdem liefert das MacBook 1920×1080 Pixel an, die auch alle angezeigt werden – aber eben skaliert. Zwar konnte ich keine offensichtlichen Moiré-Effekte beobachten, habe den Aspekt aber auch zu wenig getestet. Tatsache ist, dass zumindest bei meinem MacBook bei _allen_ getesteten Full-HD-Fernsehern diese Skalierung einsetzt.
Alles in allem spürt man, was der Unterschied zwischen einem Computer-Monitor und einem Fernseher ist. Trotzdem will mir nicht in den Sinn, warum Fernseher mit ihrer sinnlosen Vielfalt an IO-Technik und Anschlüssen billiger verkauft werden als entsprechende Computermonitore (aber vielleicht ist das auch nicht so und nur von mir eine gefühlte Realität).
Mich würden natürlich Eure Erfahrungen mit dem Anschluss von Macs an Full-HD-Fernseher interessieren. Kennt ihr den Skalierungseffekt? Gibt es Fernseher, die problemlos funktionieren? Hat jemand mit dem Apple-TV andere oder auch vergleichbare Ergebnisse erzielt?
Nachtrag: Nach längerer Forschung bin ich schließlich auf ein Modell – ggf. sogar eine Modellreihe -gestossen, die alle genannten Probleme nicht aufweist: der Sony KDL 46-V3000 erkannte problemlos sowohl das Signal des MacBook als auch des Mac mini an. Keine Verzerrung, glaskare Anzeige, so wie man sich das wünscht. Dazu kommt, dass das Gerät seine Settings automatisch per Port speichert, so dass man Dinge wie Motion Compensation, Schärfeverstärkung etc. problemlos auf einem DVB-T Kanal zur Anwendung bringen kann, beim Umschalten auf das Signal des Macs via HDMI aber diese Optionen automatisch ausschaltet. Prima Gerät. Kann ich empfehlen.
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