Es sieht ja nun ganz so aus, als ob die Maßnahmen, die Apple und seine Netzbetreiber-Freunde für die neue Generation des iPhones ergriffen haben, um einem Unlocking zuvorzukommen, durchaus erfolgreich sein könnten: wenn das Telefon nur mit Vertrag zu haben ist gibt es keinen Nachschub für eine mögliche Unlock-Software. Ohne Telefone, kein Unlock. So weit, so schlecht.
Sicherlich ergibt das ganze aus der Perspektive von Apple und den Netzbetreibern Sinn. Und sicherlich wird es auch viele, die an dem Gerät ein Interesse haben, nur in Grenzen abstossen. Allerdings gibt es eine Gruppe, die das ganze Spiel nicht so lustig finden wird: Europäer.
Ich verstehe mich als Europäer, aber nicht aus einem transnationalen Gefühl heraus, sondern weil ich mich mehr oder weniger regelmäßig in Europa bewege. Ich fahre nach Österreich, in die Schweiz, nach Frankreich, nach Holland und ab und an bin ich auch mal in Tschechien oder Britannien. Und wer macht nicht auch mal Urlaub im europäischen Ausland?
Aber wer die Landesgrenzen verlässt hat mit dem iPhone 3G schon verloren, denn im Gegensatz zu den USA, wo eine Fläche von 9.826.630 km² aus 50 Staaten von einem einzigen Mobilfunkvertrag abgedeckt sind gerät man in Europa schon nach wenigen hundert Kilometern in Gebührentretminen.
Wenn man davon ausgeht, dass die durchschnittliche Website heute mit 500KB Volumen daherkommt (vermutlich sogar mehr), zahlt man im europäischen Ausland beim T-Mobile Weltweit-Tarif ca. 60 Cent pro Seite. Wer Maps benutzt, seine Mail checkt und das eine oder andere wichtige Attachment lädt oder es gar wagt, das eine oder andere Video zu laden ist schnell absurde Geldbeträge los.
Warum das so sein muss erschliesst sich mir nicht. Die Daten werden letztlich über die gleichen Leitungen übetragen, über die auch das heimische DSL läuft und dort gehen täglich Gigabytes zum Festpreis über die Leitung. Über GSM übertragende Daten (man denke nur an die SMS) scheinen aber immer noch ein Goldenes Bit hinzugefügt zu bekommen, dass für die Datenware lächerliche Preise zu rechtfertigen scheint.
Aber das Hauptproblem ist das fehlende Unlocking: halte ich mich für zwei Wochen im Ausland auf, kauft man sich überlicherweise einen lokalen Prepaid-Vertrag, die heute auch schon brauchbare Datentarife mitbringen. Aber ausgerechnet die Leute, die sich für das High-End-Handy iPhone entscheiden, stehen doof da.
Natürlich haben wir es hier vor allem mit einem Regulierungsproblem zu tun, denn davon sind ja nicht nur iPhone-Besitzer betroffen. Aber Apple wäre gut beraten gewesen, wenn sie ihren europäischen Partnern von vornherein ein “European Data Roaming”, wenn nicht sogar einen europaweiten Telefontarif abgeschwatzt hätte. Letztlich würde ich allerdings auch nicht in Europa halt machen: im Prinzip muss eigentlich ein Worldwide Data Roaming her, das einem iPhone den Flatrate-Zugang weltweit ermöglicht.
Na klar, ich weiß schon was ihr sagen wollt: es gibt ja WLAN. Stimmt natürlich, aber das ist natürlich nicht das gleiche. Auch wenn man sich vielleicht überlegen sollte, ob ein billiger, mobiler GSM-WLAN-Router mit einem iPod touch nicht am Ende sogar die bessere Lösung ist. Wollen wir mal hoffen, dass der iPod touch auch bald GPS bekommt.
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