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Archive for the ‘Rant’ Category

Alte Hüte

June 24th, 2008 5 comments

So. Nokia kommt also langsam aus der Deckung und präsentiert der Welt – keine 18 Monate nach Ankündigung des iPhones – ihren Plan, wie sie ihre Stellung im Smartphone-Markt noch retten wollen. Und der Plan heißt: wir haben keinen.

Das haben sie natürlich so nicht gesagt. Gesagt haben sie, dass sie die ihnen bisher noch nicht gehörenden Anteile von Symbian Ltd. für teuer Geld kaufen (264 Mio EUR), das ganze in “Symbian Foundation” umtaufen wollen und dann die in drei separate Teile verstreute Illusion eines Betriebssystems (Symbian) wieder zusammenkitten wollen (also Nokias, Sonys und NTT DoCoMos Varianten) und dann “neu” als einheitliches System vorstellen wollen. Klingt, als könnte in zwei Jahren das nächste Press Release zu dem Thema erscheinen.

Symbian also. Dieses schleichend langsame, unprogrammierbare und unbenutzbare OS soll also nicht wie es sich gehört weggeworfen und neu geschrieben werden sondern wird von den Toten wieder auferweckt und den Kunden erneut zum Frass vorgeworfen werden. Das schlimme ist, dass ich glaube, dass sie das sogar ernst meinen.

Die Panik nach dem iPhone und der Vorstellung von Android scheint doch sehr umfangreich ausgefallen zu sein in Finnland. Dachte ich noch, sie würden nach der Akquise von Trolltech ggf. gänzlich auf Linux umsteigen wollen haben sie wohl nach einigem Überlegen für die Fortführung ihres veralteten Betriebssystems votiert. Trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass Qtopia von Trolltech doch noch zum Einsatz kommt, sonst könnten sie die Firma auch gleich wieder verkaufen – und ihr Business einstellen (denn das zugrundeliegende Qt ist eines der wenigen Produkte auf dem Markt, dass es zumindest im Ansatz mit Apples Cocoa-Frameworks aufnehmen kann.

Diese Pressemitteilung sollte Apple ruhig schlafen lassen, denke ich. Irgendwie habe ich auch das Gefühl eine Reihe der Firmen, die das Projekt angeblich unterstützen, auch schon bei Googles Android dabei waren. Wieviele Betriebssysteme braucht eine Firma?

MM006 Active Stink

June 12th, 2008 40 comments

Die sechste Ausgabe unseres Podcasts widmet sich ausführlich – wenn auch nicht ausschliesslich – den offiziellen und inoffiziellen Ankündigungen der World Wide Developer’s Conference (WWDC), die derzeit in San Francisco ihr Unwesen treibt. Die sehnlich erwartete Ankunft des 3G-iPhones und der vage Ausblick auf die nächste Version von Mac OS X nehmen daher im Podcast breiten Raum ein. Dieses Mal sind übrigens nur Tim und Denis am Start während sich Max einem (wohlverdienten) Urlaub fröhnt.

Da es so viel zu besprechen gab haben wir eine neue Rekordlänge erreicht: wir bieten Euch 2:43 Stunden Hörmaterial mit denen Ihr Eure nächsten zwei Wochen pflastern könnt. We apologize for the inconveniences. Damit die Datei nicht so groß ist, habe ich dieses Mal eine niedrigere Kompression gewählt.

Unsere Themen dieses Mal:

  • das c’t special Mac, was schon seit einiger Zeit am Kiosk ausliegt
  • die neuen Features der iPhone 2.0 Software
  • der Push Notification Dienst, der im September kommen soll
  • Präsentationen direkt mit dem iPhone: machbar?
  • der AppStore und die Implikationen der drei angekündigten Distributionsmethoden
  • MobileMe und die Sicherheit und das Für und Wider von Push Services und Universal Syncing
  • denkbare Navigationssoftware auf dem iPhone
  • das iPhone 3G und sein verborgener Preis
  • In-Store Activation kills the Jailbreak?
  • die Zukunft des iPhones als Gaming Plattform
  • Ausblick auf den Schneeleoparden
  • Multi-Core Optimization mit Grand Central
  • Parallel Computing mit OpenCL
  • QuickTime X: die Befreiung?
  • Goodbye PowerPC
  • ZFS kommt
  • Der Squirrelfish macht dem Safari 4 Beine
  • Mac OS X Server als Alternative zu Exchange
  • Tim hat ein korruptes Schlüsselbund und gibt sein Password 907 mal ein
  • Weitere Erfahrungen und Erfolgsmeldungen mit Time Machine
  • Das Mac OS X 10.5.3 Update und seine hidden Fixes
  • Warum man immer noch FrameMaker hinterherweinen muss
  • Merlin: tolles Programm, rottige Dokumentation
  • Zum Schluß gehen wir dann noch auf Eure Fragen in den Kommentaren zum letzten Blogeintrag ein.

Wir wünschen wie immer gute Unterhaltung.

Nachtrag: Wer den “ActiveStink” Versprecher von Phil Schiller in der Download-Version der Keynote sucht, sucht vergeblich. Apple hat ihn getilgt. Das macht es zumindest glaubwürdig, dass er nicht absichtlich gemacht wurde.

 
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Microsoft und Yahoo und Google und Apple

February 2nd, 2008 5 comments

Es steht wohl wirklich schlecht um Microsoft. Nun investieren sie das zehnfache ihres letzten Quartalsgewinns in eine ehemalige Innovationsfirma das Internet. Zu einem Zeitpunkt, wo diese Firma genauso innovativ ist wie die Firma, die sie jetzt kauft. Nämlich überhaupt nicht mehr.

Nun kommen also zwei Loser zusammen. Wie schön. Ich fühle mich in meiner jüngst geäußerten Meinung bestätigt, dass es Microsoft wirklich schlecht geht. Eine besondere Bedrohung für irgendjemand sehe ich hier nicht aufkommen, denn letztlich dient Yahoo nur dazu, im Markt der Suchmaschinen zumindest noch ein bisschen Fuß zu fassen, nachdem ihnen das mit den eigenen Produkten nicht gelungen ist.

Nun steht Microsoft vor einem großen Problem: soll Yahoo independet bleiben und mit eigener Technologiebasis (die eher auf FreeBSD und PHP basiert als auf Windows und seinen Skriptsprachen) weitermachen? Dann wird das Ergebnis sicherlich so profitabel sein, wie jetzt schon: gar nicht. Oder Microsoft versucht, die Marken und Technologien von Yahoo in seine technische Infrastruktur einzubetten wie sie es einst mit Hotmail gemacht haben. Das dürfte ihnen einen fixen Brain Drain einbringen, der ihre Akquisition schnell wertlos macht.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man bei Google schlecht schläft. Ich denke, sie wecken eher ihre Headhunter, damit die mal ein paar Gesprächseinladungen verschicken. Und Apple lässt die Nachricht sicherlich so lange kalt wie ihre Verträge mit Yahoo weiter Bestand und die betroffenen Produkte (Search, Mail) technisch unverändert bleiben.

By the way: ist jemand aufgefallen, dass Apples letzte Geschäftsergebnisse in etwa denen von Microsoft vor vier Jahren entsprechen? Und dass sie auch mehr Geld verdient und umgesetzt haben als Google? Sollte Apple auch nur im Ansatz den aktuellen Weissagungen folgen und seinen Marktanteil in vier Jahren verdoppeln – und das weitgehend in ihrem aktuellen Marksegment der mittel- und hochpreisigen Güter – dann sind sie bald an Microsoft vorbeigezogen. Was sie im übrigen bereits sind, wenn man ihre Umsätze und Gewinne durch die Anzahl der Mitarbeiter teilt.

Microsoft ist das neue IBM

January 8th, 2008 13 comments

Bill Gates tritt ab und wie es aussieht auch die HD-DVD. Zeit wird’s – in beiden Fällen. Dass sie so ungeplant zusammenfallen ist in meinen Augen symptomatisch, denn das Haus Microsoft ruht schon lange nicht mehr auf festen Säulen. Vielmehr ist Microsoft das neue Venedig: eine auf Wasser gebaute und nur noch von ihrer Vergangenheit zehrende Touristenattraktion, die irgendwann untergehen wird. Entweder an sich selbst oder durch die Klimakatastrophe.

Die Globale Erwärmung, die Microsoft zu fürchten hat, ist die Adoleszenz des Computermarktes. Spätetestens mit dem nächsten Jahrzehnt kann die Industrie keinen Jugendschutz mehr für sich in Anspruch nehmen und pubertäre Auswüchse werden nicht mehr toleriert. Unzuverlässige Software, undokumentierte Protokolle und Dateiformate sowie anti-kompetitives Verhalten von Herstellern sind Auslaufmodelle. Dies war das Fundament Microsofts Erfolg. Will Microsoft weiter erfolgreich bleiben, müssen sie rechtzeitig Konsequenzen ziehen, neue Märkte schaffen und auf kompetitiver Basis mithalten.

Da dies von Microsoft in den letzten zehn Jahren aber mehr als sträflich vernachlässigt wurde, kommt jetzt eine Quittung nach der anderen: Windows Mobile kriegt bei den Smartphones keinen Fuß vor die Tür, die Xbox wird auch weiterhin kein Geld verdienen und ist eine Support-Hölle (und mit dem Niedergang der HD-DVD auch eine Technologie-Sackgasse); der Zune ist unbedeutend; Vista ist wahrscheinlich besser als sein Ruf aber leider mit einer (schlecht funktionierenden) Online-Registrierung verheiratet, die keiner haben will; OOXML wird weltweit niedergekämpft, der Internet Explorer verliert an Marktanteilen und ist im aufstrebenden Mobilbereich quasi aus dem Rennen, die “Live”-Services können es mit den Konkurrenten nicht aufnehmen und so weiter und so fort.

Natürlich werden Windows XP und Microsoft Office auch noch in den nächsten Jahren den Großteil der Einnahmen von Microsoft einspielen (nur hier kann sich Microsoft noch die absurden Margen erlauben, die auf anderen Märkten undenkbar wären), doch wie es aussieht, bleibt es dabei auch. Denn es nagen an diesem Kuchen nahezu alle Mitspieler am Markt, gegen die sich Microsoft jüngst kaum noch wehren konnte. Apple, Google und letztlich das ganze Web wollen nicht mehr nach Microsofts Nase tanzen und dadurch bröckelt das Imperium schon merklich. Als Kooperationspartner hat es sich Microsoft mit allen verdorben. Finanziell mag Microsoft noch eine Weile überleben und Gewinne machen – der Einfluss scheint aber dahin. Microsoft ist das neue IBM.

Meine gewagte These ist diese: Microsoft ist bereits geschlagen. Ich sehe zumindest keine Anzeichen von irgendeinem Sieg irgendwo. Es gibt nur noch Rückzugsgefechte und verzweifelte Ignoranz. Nun fragt sich nur noch, wer die Lücken füllen wird, die entstehen werden und bereits entstanden sind. Selbstverständlich ist Apple hier ganz oben auf der Liste (und vor allem fast die einzige Firma, die Microsoft auch noch im Bereich ihrer goldenen Kälber Windows und Office auf Raubzug gehen könnte). Die neuen Webmärkte gehen zur Zeit weitgehend an Google. Nintendo ist der strahlende Sieger im Spielkonsolenmarkt und die BluRay-Entscheidung könnte sogar der Playstation 3 zum Aufstieg verhelfen. Am Ende könnte es sogar richtig blutig werden.

I don’t care. Microsoft hat sich stets als unwürdig für die Spitze erwiesen – widerliche Graugesichter, die den Blauhemd-Krawatten-Büro-Durchschnittsheini zum Superstar erklärten und das Mittelmass zum Mass aller Dinge. Man muss sich nur mal den Haben-wir-gelacht-Humor von Gates’ Abschiedsvideo anschauen. Grauenhaft. Und sogar das Letzte vom Letzten ist eine schlechte Kopie. Time to go, Bill. Time to go, Microsoft. Keiner wird Euch eine Träne nachweinen.

Nun, ich habe keine Ahnung, ob Apple seinen Lauf in den nächsten fünf Jahren durchhalten kann, aber wenn sie es tun, werden sie sicherlich die Führung im Heimbereich übernehmen und im Business-Bereich zumindest so viel zulegen können, dass sie nicht mehr ignoriert werden können. Das iPhone zeigt da schon gut, wo es langgehen kann. Da natürlich jeder gehobene Manager mit so einem Teil rumläuft werden jetzt auch noch die ekligsten Customer-Relationship-Management-Tools mit einem iPhone-User-Interface versehen. Der Rest ist Domino.

Es ist eigentlich erstaunlich, wie sehr Apples Fortschritte in den letzten Jahren allgemein unterschätzt werden. Das liegt aber wohl daran, dass bestimmte Massnahmen auch erst spät sichtbar werden.

Man betrachte in diesem Zusammenhang mal Safari. Als Browser taucht er in den Statistiken an vielen Orten unter ferner liefen auf und wurde auch sonst lange Zeit nicht Ernst genommen – die später erschienene Windows-Version wurde belächtelt (teilweise zurecht, da Apples Code die geübten Security-Hacker nicht viel Mühe kostete). Doch die eigentliche Erfolgsstory dahinter heißt nicht Safari – sondern WebKit.

WebKit ist heute auf dem Weg zum Gold-Standard im World Wide Web zu werden, und zwar durch mobile Geräte, vor allem Telefone. Fast kein Hersteller ist mehr zu finden, der nicht auf WebKit setzt – Apple, Nokia, Google, sogar OpenMoko. Von Gekko – der Rendering Engine von Firefox – wird es offensichtlich nie keine mobiltaugliche Version geben – zu groß ist der Code und zuwenig Leute gibt es, die ihn verstehen. Die mobilen Versionen des Internet Explorer und Opera spielen keine signifikante Rolle mehr. Auf dem Desktop sind die Rollen zwar noch anders verteilt, aber WebKit-basierte Browser holen auf.

Auf WebKit zu setzen war eine der klügeren Entscheidungen von Apple, denn dadurch gelingt es Apple wieder, im Plattformkrieg mitzuspielen. Dabei geht es nicht nur darum, Microsoft in den Griff zu kriegen, sondern auch Adobe. Apple setzt ganz auf Webstandards – Adobe setzt auf Flash. Dass das iPhone kein Flash kann und können wird, dürfte Adobe nicht schmecken. Nun wird es natürlich Zeit, dem Web die wirklich begehrenswerten Eigenschaften von Flash hinzuzufügen. Es bleibt spannend.

Nur Microsoft darf leider nicht mehr mitspielen.