Bill Gates tritt ab und wie es aussieht auch die HD-DVD. Zeit wird’s – in beiden Fällen. Dass sie so ungeplant zusammenfallen ist in meinen Augen symptomatisch, denn das Haus Microsoft ruht schon lange nicht mehr auf festen Säulen. Vielmehr ist Microsoft das neue Venedig: eine auf Wasser gebaute und nur noch von ihrer Vergangenheit zehrende Touristenattraktion, die irgendwann untergehen wird. Entweder an sich selbst oder durch die Klimakatastrophe.
Die Globale Erwärmung, die Microsoft zu fürchten hat, ist die Adoleszenz des Computermarktes. Spätetestens mit dem nächsten Jahrzehnt kann die Industrie keinen Jugendschutz mehr für sich in Anspruch nehmen und pubertäre Auswüchse werden nicht mehr toleriert. Unzuverlässige Software, undokumentierte Protokolle und Dateiformate sowie anti-kompetitives Verhalten von Herstellern sind Auslaufmodelle. Dies war das Fundament Microsofts Erfolg. Will Microsoft weiter erfolgreich bleiben, müssen sie rechtzeitig Konsequenzen ziehen, neue Märkte schaffen und auf kompetitiver Basis mithalten.
Da dies von Microsoft in den letzten zehn Jahren aber mehr als sträflich vernachlässigt wurde, kommt jetzt eine Quittung nach der anderen: Windows Mobile kriegt bei den Smartphones keinen Fuß vor die Tür, die Xbox wird auch weiterhin kein Geld verdienen und ist eine Support-Hölle (und mit dem Niedergang der HD-DVD auch eine Technologie-Sackgasse); der Zune ist unbedeutend; Vista ist wahrscheinlich besser als sein Ruf aber leider mit einer (schlecht funktionierenden) Online-Registrierung verheiratet, die keiner haben will; OOXML wird weltweit niedergekämpft, der Internet Explorer verliert an Marktanteilen und ist im aufstrebenden Mobilbereich quasi aus dem Rennen, die “Live”-Services können es mit den Konkurrenten nicht aufnehmen und so weiter und so fort.
Natürlich werden Windows XP und Microsoft Office auch noch in den nächsten Jahren den Großteil der Einnahmen von Microsoft einspielen (nur hier kann sich Microsoft noch die absurden Margen erlauben, die auf anderen Märkten undenkbar wären), doch wie es aussieht, bleibt es dabei auch. Denn es nagen an diesem Kuchen nahezu alle Mitspieler am Markt, gegen die sich Microsoft jüngst kaum noch wehren konnte. Apple, Google und letztlich das ganze Web wollen nicht mehr nach Microsofts Nase tanzen und dadurch bröckelt das Imperium schon merklich. Als Kooperationspartner hat es sich Microsoft mit allen verdorben. Finanziell mag Microsoft noch eine Weile überleben und Gewinne machen – der Einfluss scheint aber dahin. Microsoft ist das neue IBM.
Meine gewagte These ist diese: Microsoft ist bereits geschlagen. Ich sehe zumindest keine Anzeichen von irgendeinem Sieg irgendwo. Es gibt nur noch Rückzugsgefechte und verzweifelte Ignoranz. Nun fragt sich nur noch, wer die Lücken füllen wird, die entstehen werden und bereits entstanden sind. Selbstverständlich ist Apple hier ganz oben auf der Liste (und vor allem fast die einzige Firma, die Microsoft auch noch im Bereich ihrer goldenen Kälber Windows und Office auf Raubzug gehen könnte). Die neuen Webmärkte gehen zur Zeit weitgehend an Google. Nintendo ist der strahlende Sieger im Spielkonsolenmarkt und die BluRay-Entscheidung könnte sogar der Playstation 3 zum Aufstieg verhelfen. Am Ende könnte es sogar richtig blutig werden.
I don’t care. Microsoft hat sich stets als unwürdig für die Spitze erwiesen – widerliche Graugesichter, die den Blauhemd-Krawatten-Büro-Durchschnittsheini zum Superstar erklärten und das Mittelmass zum Mass aller Dinge. Man muss sich nur mal den Haben-wir-gelacht-Humor von Gates’ Abschiedsvideo anschauen. Grauenhaft. Und sogar das Letzte vom Letzten ist eine schlechte Kopie. Time to go, Bill. Time to go, Microsoft. Keiner wird Euch eine Träne nachweinen.
Nun, ich habe keine Ahnung, ob Apple seinen Lauf in den nächsten fünf Jahren durchhalten kann, aber wenn sie es tun, werden sie sicherlich die Führung im Heimbereich übernehmen und im Business-Bereich zumindest so viel zulegen können, dass sie nicht mehr ignoriert werden können. Das iPhone zeigt da schon gut, wo es langgehen kann. Da natürlich jeder gehobene Manager mit so einem Teil rumläuft werden jetzt auch noch die ekligsten Customer-Relationship-Management-Tools mit einem iPhone-User-Interface versehen. Der Rest ist Domino.
Es ist eigentlich erstaunlich, wie sehr Apples Fortschritte in den letzten Jahren allgemein unterschätzt werden. Das liegt aber wohl daran, dass bestimmte Massnahmen auch erst spät sichtbar werden.
Man betrachte in diesem Zusammenhang mal Safari. Als Browser taucht er in den Statistiken an vielen Orten unter ferner liefen auf und wurde auch sonst lange Zeit nicht Ernst genommen – die später erschienene Windows-Version wurde belächtelt (teilweise zurecht, da Apples Code die geübten Security-Hacker nicht viel Mühe kostete). Doch die eigentliche Erfolgsstory dahinter heißt nicht Safari – sondern WebKit.
WebKit ist heute auf dem Weg zum Gold-Standard im World Wide Web zu werden, und zwar durch mobile Geräte, vor allem Telefone. Fast kein Hersteller ist mehr zu finden, der nicht auf WebKit setzt – Apple, Nokia, Google, sogar OpenMoko. Von Gekko – der Rendering Engine von Firefox – wird es offensichtlich nie keine mobiltaugliche Version geben – zu groß ist der Code und zuwenig Leute gibt es, die ihn verstehen. Die mobilen Versionen des Internet Explorer und Opera spielen keine signifikante Rolle mehr. Auf dem Desktop sind die Rollen zwar noch anders verteilt, aber WebKit-basierte Browser holen auf.
Auf WebKit zu setzen war eine der klügeren Entscheidungen von Apple, denn dadurch gelingt es Apple wieder, im Plattformkrieg mitzuspielen. Dabei geht es nicht nur darum, Microsoft in den Griff zu kriegen, sondern auch Adobe. Apple setzt ganz auf Webstandards – Adobe setzt auf Flash. Dass das iPhone kein Flash kann und können wird, dürfte Adobe nicht schmecken. Nun wird es natürlich Zeit, dem Web die wirklich begehrenswerten Eigenschaften von Flash hinzuzufügen. Es bleibt spannend.
Nur Microsoft darf leider nicht mehr mitspielen.
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