Ich kenne niemanden, der nicht überlegt. Wirklich, niemanden. “Für die Kinder ist der bestimmt super.” “so für den Urlaub.” “Oh, wie süß.” Ich bezweifle, dass irgendjemand bei Asus auch nur Ansatzweise ahnte, welchen Volltreffer sie mit dem EEE PC landen würden. Der EEE PC ist ein kleiner, langsamer Laptop mit winzigem 7-Zoll Display mit lächerlichen 800×480 Pixeln Auflösung. Damit der 900 MHz Celeron nicht komplett überfordert ist, liegt ein relativ resourcenschonendes Linux auf den 4 GB internen Speicher. Der EEE kann in genau zwei Bereichen trumpfen: er ist klein, und er ist billig. Mit 299 Euro ist er gerade noch so billig, das man ihn sich durchaus mal spontan kauft, wenn er einem denn über den Weg läuft.
Und genau so spontan bin auch ich zu meinem EEE PC gekommen, genau so, wie elf weitere re:publica Besucher, die sich plötzlich und nahezu hysterisch zum Kauf eines dieser nahezu hübschen Geräte entschlossen: die gesamte Lieferung des Kaufhofs am Alex landete binnen einer Stunde in der Kalkscheune.
Tatsächlich kann man mit dem EEE so einiges machen, was ich mit meinem MacBook nie machen würde. Weil er so extrem leicht ist. Nicht MacBook-Air-oh-mein-Gott,-ich-kanns kaum-glauben-leicht, sondern eher so leicht, wie man es von einem Gerät dieser Größe erwartet. Auf der re:publica konnte ich das Ding ganz entspannt in der Hand halten. Ohne Tasche, ohne müden Arm. Man kann ihn bestimmt mal zum Strand mitnehmen, oder in der U-Bahn nutzen. Oder seine Mitmenschen zum Staunen bringen. Jeder will diesen kleinen Rechner mal in der Hand halten, mal anschauen, wissen was man damit machen kann.
Tippen kann man auf dem EEE jedenfalls nicht. Die Tastatur ist schon ziemlich winzig, die Tasten sind merkwürdig angeordnet. So ist die Zahlenreihe um eine Taste zu weit nach rechts verschonben, die Returntaste ist zu klein, die rechte Shifttaste rechts neben dem Cursorblock und das Kleiner- und Größerzeichen teilt sich eine Taste mit dem Ypsilon. Zu allem Überfluss muss man im Vergleich zu meinem MacBook auch noch ziemlich auf die Tasten hacken, damit ein Zeichen auf dem Bildschirm erscheint. Die Leertaste ist da besonders hart, verzeiht also bitte ein paar fehlende Leerzeichen in diesem Text. Auch das Trackpad hat so ein paar Tücken. Natürlich ist es zu klein, es könnte oft ein wenig schneller reagieren. Auch reagiert der Mausklick etwas zögerlich und scheint sich gelegentlich zu verkannten.
Erstaunlich gut komme ich bisher hingegen mit dem Display klar. Das es klein ist brauche ich nicht zu erwähnen, allerdings kann man mit Firefox im Full-Screen-Mode (F11) ganz gut surfen. Mit der Erweiterung Auto-Hide ist es fast schon groß genug und ermöglicht die volle Konzentration auf die aktuelle Seite. Nicht das geringste auszusetzen gibt es an der Helligkeit des Displays. Das dürfte vermutlich sogar für den Sommer reichen, auch wenn ich das wegen des trüben Wetters die letzten Tage nicht testen konnte. Außerdem ist das Display angenehm scharf, aber das haben ja Displays heutzutage so an sich. Eine kleine, schlechte Kamera und ein okayes aber leider ausgerechnet an der Unterseite des Geräts angebrachtes Mikrofon machen den Winzling zum tollen Skype-Telefon. Die Boxen sind zwar nicht laut, klingen aber doch recht gut.
Einigen Wünsche offen lässt die Softtware. Am meisten nervt, dass der EEE nach dem Aufwachen regelmäßig vergisst sich wieder mit dem WLAN zu verbinden. Hin und wieder muss man ihm sogar das WLAN-Passwort neu mitteilen – für eine Surfmaschine ist das nun wirklich eher ein Armutszeugnis. All das lässt sich natürlich Linux-like mit dem einen oder anderen geübten Handgriff umschiffen, wenn man den Handgriff denn kennt. Denn anders als z.B. beim Nokia 770/N880 weicht die Software des EEE PC nur minimal von einem normalen Desktop-Linux ab. Mit ein paar Scriptzeilen lässt sich die einfache Oberfläche durch ein vollwertiges KDE ersetzen und dank x86 Prozessor laufen auch nur in Binärform verfügbare Programme wie Opera oder Flash problemlos und auf Anhieb. Zwar ist die Software nicht Apple-typisch poliert, dafür ist aber eine Menge davon dabei: einige Spiele, Open Office, ein Aufnahmeprogramm für Ton und eins für Video, irgendwelche Lernsoftware und mehr teilweise recht praktisches Zeug hat Asus auf einer simplen Oberfläche zusammengewürfelt – sogar Java ist abWerk installiert. Der KDE-Unterbau kommt immer wieder recht schnell durch, allerdings ist die durchaus kein Nachteil.
Wenn mir überhaupt nichts einfällt, was man mit dem Gerät machen kann, wollte ich ihn vielleicht als Home-Server nutzen: leise ist er, stromsparend auch, das Debian basierte Xandros definitiv Servertauglich, und dank drei USB-2 Schnittstellen dürfte auch der Speicherplatz nicht so schnell knapp werden. Allerdings ist mir der Kleine dafür doch wieder zu schade. Denn da ist eben noch diese Faszination, wie unglaublich viel man doch eigentllich mit einem so einfachen Gerät anstellen kann. Nur was genau? Vielleicht habt ihr ja eine Idee.
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